Archiv für die Kategorie ‘Off Topic (no IT)’

Es weihnachtet schon

Montag, 05. November 2012

Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür und es ist an den Händlern, Ihre Pforten für Kaufwillige zu öffnen. Das es in der bunten eCommerce Welt tatsächlich auch noch Menschen braucht, zeigt dieses Plakat, aufgenommen in Augsburg. Frohes Weihnachtsfest schon mal!

Warum Zugfahren so effizient ist

Donnerstag, 07. April 2011

Der erste Beitrag der Kategorie „Off Topic (No IT)“ handelt vom Zugfahren.  Es ist doch erstaunlich, wie hartnäckig sich negatives Image hält. Zugfahren wird in Deutschland / Europa oft mit folgenden negativen Punkten in Verbindung  gebracht:

  • Unpünktlich
  • Unzuverlässig
  • Teuer
  • Langsam
  • Unflexibel
  • Dreckig

Das ist schon heftig viel an negativen Themengebieten und es ist unschwer zu erkennen, dass hier auch die Wurzel des Übels liegt, warum immer noch so viele Leute das Auto vorziehen.

Ich bin bekennender Bahnfahrer und möchte einmal aus betriebswirtschaftlicher, emotionsloser Sicht darstellen, warum für mich der Zug sein Nischendasein schon lange verlassen hat.

Unpünktlich

Ich hatte von 10 Bahnfahrten im Durchschnitt eine Fahrt dabei, bei der ich bzw. der Zug unpünktlich war und dadurch einen Termin nicht ganz geschafft habe oder etwas mehr Stress bei der Anreise hatte. Die Quote ist nicht schlecht, nimmt man an, dass der durchschnittliche Autofahrer ähnliche – wenn nicht schlechtere – Werte erzielt.

Unzuverlässig

Sieht man mal von Streiks und Witterungsproblemen ab, kann man sich auf den Zug doch sehr verlassen. Ihn meiner Zuglaufbahn hatte ich es noch nicht einmal erlebt, dass ich gänzlich aufgrund von Zugwidrigkeiten „auf der Strecke“ blieb.

Teuer

Mein – aus betriebswirtschaftlicher Sicht – wichtigster Punkt. Eine Zugfahrt in der 2. Klasse ohne Sparpreis und ohne sonstige Ermäßigung kostet von München nach Frankfurt ca. 90 EUR im ICE. Das entspricht bei 303 Kilometer Straßenstrecke einem Kilometerpreis von ca. 0,30 EUR.

Ein durchschnittliches Leasingfahrzeug (nehmen wir einen Passat Variant) kommt inklusive der Nebenkosten und einer Laufleistung von 30.000 Kilometer pro Jahr auf einen Satz von 0,40 EUR pro einfachem Kilometer. Im Übrigen hält sich die Rechnung fast die Waage, wenn das Auto gekauft wurde oder anderweitig finanziert wird.

Für die Strecke München – Frankfurt kostet demnach das Auto 121,20 EUR. Das sind aber nur die direkten Kosten. Jetzt wird’s nämlich interessant. Sollten Sie stolzer Besitzer einer Freisprecheinrichtung sein oder Fan von Hörbüchern sein, können Sie die Zeit sogar im Auto einigermaßen nutzbringend totschlagen. Betriebswirtschaftlich in der Arbeitszeit natürlich eine Katastrophe und ich habe es auch noch nicht geschafft, einen Vertragsabschluss über das Autotelefon hinzubekommen. In den 303 Kilometern schaue ich also auf andere Fahrzeuge und die Straße und ansonsten in die Röhre.

Die Suchmaschine Nummer 1 errechnet mit übrigens eine Fahrzeit von knapp 4 Stunden (von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof), die Zugverbindung ist mit 3:09 errechnet worden. Ziehen wir nun von den abgerundeten 3 Stunden ½ Stunde für Einsteigen, Bordbistro, Aussteigen und Fahrkartenkontrolle ab, verbleiben immer noch 2 ½ Stunden Zeit. Selbst wenn Sie keinen „elektrischen Stuhl“ ergattern (also mit Steckdose fürs Laptop) werden Sie mit einer Akkuladung also bequem Ihr Laptop speisen können. In dieser Zeit schreibe ich Dokumentationen, Blogbeiträge oder E-Mails oder ich arbeite an Programmcode oder betreibe Customizing für meine Kunden. Habe ich das große Glück, einen der „W-LAN“ Züge zu erwischen, kann ich sogar Rechnungen und Angebote schreiben. Für die Kommunikation per Mail reicht mir aber das eingebaute UMTS / GPRS Modem im Laptop locker für die gesamte Strecke aus.

Setze ich nun einen kalkulatorischen Kostensatz von 60 EUR entgegen, kann ich in 2 ½ Stunden 150 EUR Wertschöpfung betreiben.

Natürlich werden Sie jetzt sagen: Das kann der Buck deshalb machen, weil er in der richtigen Branche arbeitet. Ja und nein: Ich kenne zwischenzeitlich keine Branche im Dienstleistungsbereich mehr, die nicht mit einem Laptop bewaffnet produktiv sein kann. Und die Architekten und Künstler unter uns können ja auch zu Bleistift und Papier im Zug greifen.

Nochmal zu der Rechnung also:

Zug
Wertschöpfung:  150 EUR
Fahrkarte: – 90 EUR
Bilanz: 60 EUR

Auto
Wertschöpfung:  mit Glück 50 EUR
Kosten: – 121,20 EUR
Bilanz: -71,20 EUR

Noch Fragen?

Ich versuche übrigens, die Fahrten min. 1 Woche vorher zu planen  und habe dann noch Kostenvorteile von bis zu 50%.

Langsam

Habe ich oben schon beantwortet, hängt aber zugegebenermaßen vom Start-/Zielpunkt ab und den.

Unflexibel

Ja, der Zug ist unflexibel, da man sich an Fahrpläne richten muss und Bahnhöfe ins Zentrum der Organisation rücken.

Dreckig

Ne, überhaupt nicht. Also sehr selten mal, dass eine Toilette wirklich so schmutzig ist, dass ich Sie schnell wieder verlasse. Ekliger sind hier die WCs auf Raststätten entlang unserer Autobahnen.

Ein „weicher“ Faktor noch zum Schluss: Die Gedanken werden bei einer Zugfahrt „frei“ und die Anreise ist in aller Regel stressfrei. Keine notorischen Linksfahrer, Nichtblinker, Gaffer und sonstiges führerscheinuntaugliches Material auf der Straße vor mir, die mich in der Entfaltung der vielen PS meines Autos hindern und mich an den Rand der nervlichen Verzweiflung bringen.

PS: Von den ersparten Leasinggebühren für mein Auto fahre ich jetzt auch noch 1. Klasse. Wie auf dem Prospekt: Groß, ruhig und einfach noch entspannter.